Frequenzbänder, Kanalplanung, Störungen & warum dein Heimnetz manchmal lahmt
Kanäle benennen
Du nennst die Kanalbelegung im 2,4-GHz- und 5-GHz-Band
Überlappung verstehen
Du erklärst, warum nur 1 · 6 · 11 überlappungsfrei sind
Mesh-Vorteile
Du nennst die Vorteile eines Mesh-WLANs
SSID vs. Kanal
Du entscheidest, ob gleiche SSID = gleicher Kanal sein soll
Störungen erkennen
Du erklärst, warum mehrere APs im Raum Probleme machen
Dämpfung einschätzen
Du beschreibst, wie Wände & Material das WLAN schwächen
Stell dir einen großen Saal voller Menschen vor, die sich unterhalten. Alle teilen sich
dieselbe Luft – wenn zu viele gleichzeitig reden, versteht keiner mehr etwas.
Genau so funktioniert WLAN (Wireless LAN, IEEE 802.11):
Es ist ein geteiltes Funkmedium. Damit das klappt, brauchen wir ein paar Begriffe sauber getrennt.
Der Name des Funknetzes, den du am Handy siehst (z. B. FRITZ!Box 7590). Reiner Anzeigename – sagt nichts über Kanal oder Frequenz aus.
Die MAC-Adresse des Funkmoduls eines Access Points. Jeder AP hat eine eigene BSSID – auch wenn alle dieselbe SSID anzeigen.
Das Gerät, das die Funkzelle aufspannt – im Heimnetz steckt der AP meist im Router. Eine Funkzelle nennt man auch BSS (Basic Service Set).
Mehrere APs mit derselben SSID bilden zusammen ein Extended Service Set – ein nahtloses Netz, in dem du beim Gehen von AP zu AP „roamst".
Merksatz
Die SSID ist der Name, der Kanal ist die Frequenz, auf der gesendet wird. Beides ist völlig unabhängig voneinander – dieser Unterschied ist der Schlüssel zum ganzen Skriptum.
WLAN funkt in mehreren Frequenzbändern. Jedes Band ist wie ein eigenes Stockwerk in einem Haus: Es ist in viele schmale Kanäle unterteilt, auf denen die Geräte senden. Die Grundregel der Funktechnik: niedrige Frequenz = große Reichweite, hohe Frequenz = mehr Tempo, aber kürzere Reichweite.
Wichtig zu verstehen
Ein Kanal ist immer verschieden breit: Im 2,4-GHz-Band ist ein Kanal nominell 20 MHz breit – aber die Kanalmitten liegen nur 5 MHz auseinander. Deshalb stecken die Kanäle ineinander. Genau das schauen wir uns jetzt an.
In Europa stehen im 2,4-GHz-Band die Kanäle 1 bis 13 zur Verfügung (Kanal 14 ist nur in Japan erlaubt). Klingt nach viel Auswahl – ist es aber nicht. Jeder Kanal belegt rund 20 MHz Bandbreite, die Kanalmitten liegen aber nur 5 MHz auseinander. Ein Kanal „spreizt" sich also über die Nachbarkanäle hinweg.
Das Ergebnis: Belegen zwei APs benachbarte Kanäle (z. B. 1 und 3), überlappen sie sich und stören sich gegenseitig. Nur die Kanäle 1, 6 und 11 liegen weit genug auseinander (je 25 MHz Abstand), um sich nicht zu überlappen. Sie sind die einzigen drei wirklich unabhängigen Kanäle.
Das graue 5-MHz-Raster markiert die Kanalmitten – ein Kanal ist aber 20 MHz breit (4 Rasterfelder). Darum überlappen sich die Nachbarn; nur 1 · 6 · 11 stehen sauber nebeneinander.
Die Faustregel
Im 2,4-GHz-Band immer Kanal 1, 6 oder 11 wählen. Drei APs in Reichweite? Dann verteilst du sie auf genau diese drei Kanäle. (Theoretisch gehen mit 13 Kanälen auch 1/5/9/13 als vier Kanäle – das ist aber knapp, nicht weltweit kompatibel und in der Praxis riskant. 1/6/11 ist der sichere Standard.)
Das 2,4-GHz-Band ist ein lizenzfreies ISM-Band – es darf von vielen Geräten genutzt werden, nicht nur von WLAN:
Mikrowelle
Bluetooth
DECT-Telefon
Babyphone
Im 5-GHz-Band ist die Welt entspannter: Es gibt deutlich mehr Kanäle, und diese sind schon von Haus aus überlappungsfrei (20 MHz Abstand). In Europa nutzbar sind die Kanäle 36, 40, 44, 48 sowie 52–64 und 100–140 – je nach Gerät und Region rund 19 unabhängige 20-MHz-Kanäle.
Frei nutzbar, ohne Auflagen – der „Wohlfühlbereich" für Heim-WLAN. Hier landen die meisten Router automatisch.
Hier teilt sich WLAN das Band mit Wetter- und Militärradar. Per DFS (Dynamic Frequency Selection) muss der AP ständig nach Radar lauschen und den Kanal sofort wechseln, wenn er welches erkennt. Das kann zu kurzen Aussetzern führen.
Moderne APs bündeln mehrere 20-MHz-Kanäle zu einem breiteren Kanal – das bringt mehr Tempo, frisst aber Platz. Probiere die Breiten aus:
Tempo
Standard
Freie Kanäle (5 GHz, EU)
~19
Der Zielkonflikt
Je breiter der Kanal, desto schneller – aber desto weniger überlappungsfreie Kanäle bleiben übrig und desto höher die Störanfälligkeit. In dicht bebauten Gegenden (Mehrparteienhaus) fährt man mit 20 oder 40 MHz oft stabiler als mit 80/160 MHz.
WLAN regelt den Zugriff über CSMA/CA („Listen before Talk", Termin 6): Bevor ein Gerät sendet, horcht es, ob der Kanal frei ist. Daraus ergeben sich zwei sehr unterschiedliche Störungsarten.
Zwei APs auf demselben Kanal hören sich gegenseitig. Sie sind „höflich" und warten aufeinander – aber sie müssen sich die Sendezeit (Airtime) teilen. Resultat: halbe Geschwindigkeit, aber stabil. Ärgerlich, nicht kaputt.
Zwei APs auf überlappenden Kanälen (z. B. 1 und 3) verstehen sich nicht – sie hören nur Rauschen. Pakete werden zerstört und müssen neu gesendet werden. Das ist oft schlimmer als Co-Channel!
Access Point A
Kanal 6
Access Point B
Kanal 6
Sendezeit auf Kanal 6
Es leuchtet immer nur eine grüne LED: A und B senden nie gleichzeitig, sondern abwechselnd. Jeder bekommt nur die halbe Sendezeit → halber Durchsatz.
Darum machen mehrere APs in einem Raum Probleme
Lösung: Sendeleistung reduzieren, Kanäle sauber planen (1/6/11), auf 5 GHz ausweichen und lieber wenige, gut platzierte APs statt viele dicht gedrängte.
Das ist die Praxisfrage bei mehreren Access Points. Die kurze Antwort:
Alle APs bekommen denselben Namen (und dasselbe Passwort). Nur so können deine Geräte beim Gehen nahtlos vom einen zum nächsten AP roamen, ohne sich neu einzuloggen. Das ist ein ESS.
Überlappende APs müssen verschiedene (überlappungsfreie) Kanäle nutzen. Gleicher Kanal = Co-Channel-Interferenz = sie bremsen sich gegenseitig aus (siehe Animation oben).
So sieht eine saubere Kanalplanung für drei APs im 2,4-GHz-Band aus – ein Name, drei Kanäle:
SSID: Heimnetz
AP 1
Kanal 1
SSID: Heimnetz
AP 2
Kanal 6
SSID: Heimnetz
AP 3
Kanal 11
Auf den Punkt
Gleiche SSID = ja, gleicher Kanal = nein. Der gemeinsame Name macht das Roaming möglich,
die unterschiedlichen Kanäle verhindern, dass sich die APs gegenseitig die Luft abdrehen.
Modernes Roaming wird zusätzlich durch 802.11k/v/r beschleunigt.
Praxis: Welche Kanäle sind um dich herum belegt?
Funkwellen sind wie Licht: Sie werden auf ihrem Weg geschluckt (absorbiert), reflektiert
und gebeugt. Jede Wand kostet Signal – gemessen in Dezibel (dB). Diesen Verlust nennt man
Dämpfung. Wichtig: 5 GHz wird von Hindernissen stärker gedämpft als 2,4 GHz –
deshalb hat 2,4 GHz die größere Reichweite durch Wände.
Kurz zur dB-Skala: Die Signalstärke misst man in dBm (negative Werte, näher an 0 = besser). −3 dB bedeutet halbe Leistung, −10 dB bedeutet nur noch ein Zehntel. Eine einzige Betonwand kann das Signal also locker vierteln.
Wähle ein Material – links sendet der Router mit starkem Ausgangspegel von −45 dBm (ohne Hindernis), rechts siehst du, was nach der Dämpfung beim Gerät ankommt:
−45 dBm
ohne Hindernis
−48 dBm
Exzellent
So wird gerechnet
−45 dBm − 3 dB = −48 dBm
Jedes dB mehr Dämpfung zieht den ankommenden Pegel weiter ins Minus → die Verbindung wird schwächer. Faustregel: −3 dB = halbe Leistung, −10 dB = nur noch ein Zehntel.
Richtwerte für 2,4 GHz – bei 5 GHz fällt die Dämpfung noch deutlich höher aus.
Über die Qualität entscheidet der ankommende Pegel. Unter etwa −85 bis −90 dBm bricht die Verbindung ab – das Signal verschwindet dann im Grundrauschen (Noise Floor ≈ −90 dBm) und ist nicht mehr lesbar.
≥ −67 dBm
Sehr gut – Video & Calls
−67…−75
Gut – Surfen & Mail
−75…−85
Schwach – langsam, Abbrüche
unter −85
Kein Empfang
In Dämpfung umgerechnet: Vom Ausgangspegel −45 dBm aus ist bei rund 40–45 dB Gesamtdämpfung Schluss. Ein einzelnes Hindernis schafft das selten – aber mehrere Wände, Entfernung und Wasser addieren sich (z. B. 2× Stahlbeton ≈ 40 dB → Verbindung tot).
| Hindernis | Dämpfung | Auswirkung |
|---|---|---|
| Gipskarton / Rigips | ~3 dB | kaum spürbar |
| Holztür / Möbel | ~3–5 dB | gering |
| Glas (normal) | ~2–3 dB | gering |
| Ziegelwand | ~6–10 dB | spürbar |
| Wärmeschutzglas (beschichtet) | ~10–25 dB | stark (Metallschicht!) |
| Betonwand | ~10–15 dB | stark |
| Stahlbeton (armiert) | ~15–25 dB | sehr stark |
| Metall / Aufzug / Spiegel | ~30 dB+ | quasi undurchdringlich |
| Mensch / Menschenmenge | ~3 dB / Person | volle Räume summieren sich |
| Aquarium / Wassertank / Boiler | ~3–5 dB / 10 cm | je dicker, desto mehr |
Wasser ist kein Bauteil mit fester Dicke – gemeint ist alles, was viel Wasser enthält: vor allem der menschliche Körper (rund 70 % Wasser), aber auch Aquarien, Boiler und Wassertanks. Die „Breite" ist hier also ungefähr ein Körper bzw. die Dicke des Tanks. Pikant: 2,4 GHz ist genau die Frequenz, mit der dein Mikrowellenherd Wasser erhitzt – darum schluckt Wasser dieses Band besonders stark. Ein einzelner Mensch bremst nur leicht (~3 dB), aber eine volle Aula oder ein Konzert summiert sich zu einer echten Bremse.
Metall reflektiert Funkwellen fast vollständig. Stahlbeton wirkt durch das Bewehrungsgitter wie ein Faradayscher Käfig – genau wie der Aufzug, in dem dein Empfang stirbt.
Reflexionen erzeugen Mehrwegeausbreitung: Das Signal kommt mehrfach zeitversetzt an. Moderne MIMO-Antennen (mehrere Antennen) nutzen das sogar aus, statt darunter zu leiden.
Jetzt kennst du die Probleme: zu wenige Kanäle, Wände, die das Signal schlucken, APs, die sich streiten. Ein Mesh-WLAN (engl. mesh = Masche/Netz) ist die elegante Antwort darauf. Statt eines einzigen Routers spannen mehrere abgestimmte Knoten (Nodes) gemeinsam ein großes Netz auf – mit einer SSID und automatischer Kanal- und Roaming-Steuerung.
Der Laptop hängt über Node A → Node C am Internet. Lass Node A ausfallen und beobachte, was passiert.
Du verteilst Knoten dort, wo das Signal sonst stirbt – ganz ohne Kabel zu jedem Punkt zu ziehen (drahtloser Backhaul).
Eine SSID im ganzen Haus. Beim Gehen wechselt dein Gerät automatisch zum stärksten Knoten – ohne Verbindungsabbruch.
Fällt ein Knoten aus, sucht sich das Netz selbstständig einen neuen Weg. Keine manuelle Konfiguration nötig.
Kanalwahl, Sendeleistung und Band-Steering regelt das System selbst – alles über eine App oder Oberfläche.
Ein billiger WLAN-Verstärker (Repeater) aus der Steckdose ist verlockend – aber er bremst dein Netz oft mehr, als er hilft. Der Grund ist das „Ein-Radio"-Problem: Ein einfacher Repeater hat pro Frequenzband nur ein einziges Funkmodul. Damit muss er auf genau demselben Kanal empfangen und wieder senden – er kann nicht gleichzeitig auf zwei Kanälen sein.
WLAN ist Half-Duplex (wie ein Walkie-Talkie)
Auf einem Kanal kann immer nur einer reden – entweder senden oder empfangen, nie beides gleichzeitig. Der Repeater muss jedes Paket also zwischenspeichern und erneut senden (Store-and-Forward). Jedes Paket fliegt quasi doppelt durch dieselbe Luft → die nutzbare Datenrate halbiert sich.
Sprünge pro Paket
2× auf Kanal 6
Nutzbarer Durchsatz
nur ~50 %
Das blaue Paket (Router → Verstärker) und das rote Paket (Verstärker → Gerät) belegen nacheinander denselben Kanal.
Dazu kommt oft eine eigene SSID (...-EXT), an der dein Handy „kleben" bleibt.
Darum gilt: einfache Single-Band-Repeater meiden
Sie halbieren den Durchsatz, erhöhen die Latenz und reißen das Netz oft in zwei SSIDs auseinander. Wenn schon Funk-Verlängerung, dann wenigstens Crossband – besser gleich ein Mesh-System.
Ein Funkmodul, empfängt und sendet auf demselben Kanal → halber Durchsatz.
Zwei Funkmodule: empfängt z. B. auf 5 GHz, sendet auf 2,4 GHz (oder umgekehrt). Verschiedene Bänder → keine Halbierung.
Ein eigenes drittes Funkband (z. B. zweites 5-GHz- oder 6-GHz-Band) ist nur für die Knoten-Verbindung reserviert. Die Geräte funken ungestört auf den anderen Kanälen.
Die Knoten-Verbindung läuft über Kabel statt Funk → kein Airtime-Verlust, voller Speed. Wann immer möglich die erste Wahl.
WLAN ist ein geteiltes Medium – alle verbundenen Geräte teilen sich die verfügbare Bandbreite und die Sendezeit (Airtime). Wie viele Clients an einen AP dürfen, hängt vom Einsatzzweck und der Hardware ab. Es lassen sich aber klare Richtwerte ableiten.
Optimal
Büro & Heimnetz. Stabile Performance, kurze Wartezeiten, gute Datenraten pro Gerät.
Tolerierbar
Nur wenn die meisten Geräte wenig Datenverkehr erzeugen oder überwiegend passiv sind.
Vermeiden
Ohne professionelles High-Density-Design mit Load-Balancing bricht die Performance ein.
Technisches Maximum vs. Praxis
Moderne APs mit MU-MIMO können technisch oft 100+ Geräte verwalten. Der IEEE-Standard erlaubt theoretisch sogar bis zu 2007 Clients – doch schon bei wenigen Dutzend aktiven Geräten entstehen massive Warteschlangen und Latenzen. „Verbunden" ≠ „gut versorgt".
In Räumen mit sehr vielen Nutzern gilt: viele APs mit wenig Clients statt wenige APs mit vielen. Dazu die Kanalbandbreite auf 20 oder 40 MHz reduzieren – das ermöglicht mehr überlappungsfreie Kanäle und damit mehr APs nebeneinander ohne gegenseitige Störung.
Viele Consumer-Router sind hardwareseitig auf ~15 aktive Clients begrenzt. Darüber bricht die Performance oft hörbar ein – auch wenn der Router formal mehr Verbindungen akzeptiert.
Für Videokonferenzen und ähnliche zeitkritische Dienste wird eine Obergrenze von ≤ 50 Clients pro AP empfohlen, um stabile Latenzen zu garantieren.
Faustregel für die Praxis
25–30 Clients pro AP/Radio für optimale Performance. Bis 50 tolerierbar bei geringer Last. Über 50 nur in professionell geplanten High-Density-Netzen mit Load-Balancing und vielen APs – genau das ist bei einer Konferenz mit 300 Personen und 600–900 Geräten der Fall.
2,4 GHz hat 13 Kanäle, aber nur 1, 6 und 11 überlappen sich nicht. 5 GHz bietet ~19 von Haus aus überlappungsfreie Kanäle.
Mehrere APs mit gleicher Aufgabe: gleiche SSID, aber unterschiedliche Kanäle (z. B. 1/6/11).
Mehrere APs im selben Raum bremsen: gleicher Kanal = geteilte Sendezeit (Co-Channel), überlappende Kanäle = Rauschen (Adjacent-Channel).
Wände dämpfen in dB: Gipskarton kaum, Stahlbeton & Metall massiv. 5 GHz kommt schlechter durch Wände als 2,4 GHz.
Mesh = ein Netz, eine SSID, automatische Kanal- & Roaming-Steuerung, Self-Healing. Einfache Single-Band-Repeater dagegen meiden – ein Funkmodul, gleicher Kanal, Store-and-Forward → halber Durchsatz. Besser: Crossband, Tri-Band-Mesh oder LAN-Kabel (Wired Backhaul).
Pro AP sind 25–30 Clients optimal; bis 50 noch tolerierbar, über 50 bricht die Performance ein. In High-Density-Umgebungen (Events, Konferenzen): viele APs mit wenig Clients, Kanalbandbreite auf 20–40 MHz reduzieren, Sendeleistung drosseln.
Beantworte zuerst selbst – dann aufklappen und vergleichen.