Kanäle vergeben, Standorte wählen & mit Profi-Tools eine Wohnung versorgen
Kanalplan erstellen
Du vergibst überlappungsfreie Kanäle (1·6·11) an mehrere APs
Standorte & Dämpfung
Du wählst AP-Positionen unter Berücksichtigung von Wänden
Planungs-Tools nutzen
Du lernst NetSpot & das UniFi Design Center kennen
Diese Übung baut auf dem Skriptum „WLAN-Kanäle & Mesh" auf. Schau bei Bedarf dort nach.
Profis raten ein WLAN nicht – sie messen und simulieren es. Zwei Tools begleiten dich dabei. Das eine misst den Ist-Zustand vor Ort, das andere plant den Soll-Zustand am Grundriss.
NetSpot ist ein Mess- und Analyse-Tool für Windows und macOS. Es zeigt dir, was real in der Luft liegt. Leider muss es installiert werden (es gibt eine kostenlose, eingeschränkte Version).
Das UniFi Design Center ist ein kostenloses, webbasiertes Planungstool des Netzwerk-Herstellers Ubiquiti. Du brauchst nichts zu installieren – es läuft direkt im Browser unter design.ui.com – ohne Account und ohne Download. Damit planst du ein WLAN am Reißbrett, bevor du auch nur ein Gerät kaufst.
So funktioniert es – in 4 Schritten:
1 Grundriss anlegen
Eigenen Plan hochladen, eine Vorlage nutzen oder die Räume selbst einzeichnen und Maße angeben.
2 Wände & Material
Wänden ein Material zuweisen (Gipskarton, Ziegel, Beton, Glas …) – das Tool rechnet die Dämpfung mit ein.
3 Access Points setzen
APs per Drag-&-Drop platzieren, Modell & Montageort (Decke/Wand) wählen.
4 Heatmap lesen
Farbige Abdeckungskarte für 2,4 & 5 GHz: grün = stark, rot = Funkloch. Positionen ausprobieren, bis es passt.
Warum so praktisch? Du erkennst vor dem Kauf, wo Funklöcher entstehen, wie viele APs du brauchst und wie stark eine Stahlbetonwand bremst – genau die Effekte aus dem Skriptum, nur visuell simuliert. Einschränkung: Es zeigt UniFi-Hardware – das Prinzip (Kanäle, Dämpfung, Abdeckung) gilt aber für jedes WLAN.
| NetSpot | UniFi Design Center | |
|---|---|---|
| Installation | ja (Desktop-App) | nein (Browser) |
| Kosten | Free-Version eingeschränkt | kostenlos |
| Zweck | vor Ort messen (Ist) | am Plan planen (Soll) |
| Heatmap | echte Messung | Simulation |
| Plattform | Windows / macOS | jeder Browser |
Eine langgestreckte Altbauwohnung (ca. 110 m², 4 Zimmer nebeneinander) soll lückenlos versorgt werden. Der Internetanschluss (und damit der Router) sitzt ganz links außen im Vorzimmer. Die Wände sind teils dicker Ziegel, eine tragende Wand in der Mitte ist Stahlbeton. Im hintersten Zimmer (rechts außen) gibt es bisher kaum Empfang.
Du verteilst drei Access Points mit derselben SSID Altbau-WLAN über die Wohnung. Lege für das 2,4-GHz-Band einen sinnvollen Kanalplan fest und begründe deine Wahl bei SSID und Kanal.
AP 1 (Vorzimmer)
Kanal: ___
AP 2 (Mitte)
Kanal: ___
AP 3 (hinten)
Kanal: ___
Kanäle z. B. 1 · 6 · 11 (die einzigen überlappungsfreien Kanäle im 2,4-GHz-Band).
SSID: bei allen drei gleich (Altbau-WLAN) → ermöglicht nahtloses Roaming.
Kanal: bei allen drei verschieden → verhindert Co-Channel-Interferenz, sie bremsen sich nicht gegenseitig.
Merke: gleiche SSID = ja, gleicher Kanal = nein.
Die mittlere Stahlbetonwand (~20 dB Dämpfung) trennt vorne und hinten. Beantworte kurz:
1. 2,4 GHz kommt weiter – niedrigere Frequenz durchdringt Wände besser; 5 GHz wird stärker gedämpft.
2. Mehr Sendeleistung hilft kaum gegen ~20 dB Stahlbeton; außerdem darf man nicht beliebig hochdrehen, und der Rückkanal vom Endgerät (schwächere Antenne) kommt nicht zurück. Das Funkloch bleibt.
3. Den zweiten AP jenseits der Betonwand (mittleres/hinteres Zimmer) platzieren, idealerweise per LAN-Kabel angebunden. Direkt neben dem Router würde er nur dasselbe Gebiet doppelt versorgen und sich mit AP 1 die Airtime teilen.
Ein Bewohner schlägt vor: „Steck einfach einen 20-€-WLAN-Verstärker ins hinterste Zimmer." Bewerte den Vorschlag und nenne eine bessere Lösung – mit Begründung.
Problem: Ein einfacher Single-Band-Repeater hat nur ein Funkmodul → empfängt und sendet auf demselben Kanal (Store-and-Forward). Da WLAN Half-Duplex ist, halbiert sich der Durchsatz; oft entsteht eine zweite SSID, an der Geräte „kleben".
Besser: ein Mesh-System (idealerweise Tri-Band mit dediziertem Backhaul) oder – am besten – ein per LAN-Kabel angebundener AP hinten (Wired Backhaul). Eine SSID, voller Speed, Self-Healing.
Setz das Gelernte praktisch um – im UniFi Design Center (kostenlos, im Browser). Plane das WLAN für deine eigene Wohnung oder das Szenario aus Teil 2.
Zum Nachdenken & (freiwillig) Abgeben
Mach einen Screenshot deiner Heatmap und notiere zwei, drei Sätze: Wo war das Funkloch? Welches Band deckt besser ab? Hat dich ein Ergebnis überrascht?